Leseprobe: „Ich“ und „Ego“

Leseprobe: „Ich“ und „Ego“

Wenn ich jetzt, im Kreise meiner Familie, oder meinen Freunden eine Party Pizza für alle bestelle, dem Pizza Lieferant das Geld gebe und mich kurz darauf in mein Zimmer verziehe, um diese dann ganz für mich alleine zu verdrücken, dann würden die meisten unter uns von einem egoistischen Verhalten sprechen. Ein einfacher Fall von ausgeprägter Ich-Bezogenheit.

Doch das “Ich“ kann weitaus mehr, als eine Pizza alleine essen. In diesem Buch spreche ich vom Ego und von Egosystemen als der Idee von einem persönlichen Ich. Idee, weil es dieses “Ich“ nicht in der Art und Beschaffenheit gibt, wie es eine Leber, oder eine Niere in unserem Körper gibt. Das „Ich“ konnte bis heute dort, wo man es seit langem sucht, nämlich in unserem Gehirn, noch nicht verortet werden. Es wird vermutet, dass unser Gehirn dieses „Ich“ erfindet, um sozusagen eine handlungsfähige weitere Ebene zu installieren. Eine interaktive Handlungsebene für das ganze Gehirn und darüber hinaus. Dieses sogenannte „Ich“ wird direkt mit allen Gehirnarealen und dem ganzen Körper vernetzt.

Wir identifizieren uns also mit uralten Inhalten und Glaubenssätzen aus dem Reptiliengehirn ebenso wie mit top-aktuellen, gerade hochgeladenen Inhalten aus dem Neo-Cortex. Und mehr noch: Allen umherkreisenden Gedanken, samt ihren Emotionen wird ein „Ich-Gefühl“ unterlegt. Damit unterscheidet unser “Ich-Programm“ nicht zwischen außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen, wie etwa außerkörperliche Erlebnisse, Nahtoderfahrungen oder Informationen aus anderen Leben und unserer Vielfalt von Ich-Bezogenheit, sogenannten Egos oder Egosystemen.
Das „Ich“, das alleine die Pizza verdrückt, wird ebenso personifiziert, wie das „Ich“, das während einer Nahtoderfahrung den Körper verlässt und später genau beschreiben kann, was das Ärzteteam während dieser Zeit getan hat.

Wir haben sicher eine wortschatzreiche Sprache, allerdings vermag sie außergewöhnliche Ereignisse und Bewusstseinszustände nicht zu beschreiben, weil dieses „Ich“ Programm sozusagen das Herzstück der Wahrnehmungen ist. Somit sprechen wir also immer vom „Ich“ auch wenn etwas ganz anderes gemeint ist…

Meine Intention für das Buch

Als Seminarleiter, Atemtherapeut, Transpersonaler Therapeut, Körperorientierter Psychotherapeut, Yogalehrer, Heilpraktiker und Mentaltrainer begleite ich seit über 20 Jahren Menschen in schwierigen gesundheitlichen, beruflichen und privaten Situationen, aber auch auf ihrem sehnsuchtsvollen Weg der Persönlichkeitsentwicklung und nicht zuletzt bei anspruchsvollen Erfolgsanliegen.

Aus dieser Arbeit habe ich Erkenntnisse und Einsichten generiert, die ich einerseits als aufklärendes Bewusstwerdungs-Programm und andererseits als methodische Anwendungspraxis vorstellen möchte.

Mein Buch soll ein konkreter Beitrag sein für ein differenzierteres Verständnis der allgemein vorherrschenden Ratlosigkeit und Ohnmachtsempfindungen der meisten Menschen – angesichts ihrer persönlichen Lebensdramaturgie sowie der globalen Depressionstendenz.

Wer genau weiß, warum die Dinge so sind, wie sie sind, kann sie überhaupt erst ändern wollen – und auch ändern.